Gewichtsverlust bei Niereninsuffizienz ohne Dialyse­pflicht

Sowohl Nierenpatienten mit als auch ohne Dialysepflicht können in einen ungenügenden Ernährungszustand geraten. Laut aktuellen Studien sind bereits etwa 11 % der Patienten zu Beginn des Stadiums 4 mangelernährt. Bis zum Dialysestart steigt der Anteil mangelernährter Patienten deutlich auf bis zu 52 % an.

Bei chronischer Niereninsuffizienz ohne Dialysepflicht bleibt eine unbeabsichtigte Gewichtsabnahme häufig zunächst unbemerkt, da sie meistens schleichend verläuft. Hier und da gehen über einen längeren Zeitraum Kilos verloren. Viele Patienten aus der Sprechstunde sind eher übergewichtig und leiden unter Diabetes, weshalb diejenigen, die langsam und unbeabsichtigt an Körpermasse abbauen, nicht immer direkt auffallen. Wichtig ist jedoch, den Gewichtsverlust frühzeitig wahrzunehmen, um dem Abbau von lebenswichtiger Körpersubstanz entgegenzuwirken.

Bei chronischen Erkrankungen geht vor allem Eiweiß verloren, welches als Grundbaustoff der Zellen im Körper immens wichtig ist für alle lebensnotwendigen Prozesse und somit für die Vitalität. Man spricht daher auch von „Protein-Energy Wasting“ (PEW).

Welche Rolle spielt Eiweiß bei einer Nierenerkrankung?

Einige Patienten schaffen es nicht, ihren Energie- und Eiweißbedarf über die normale Ernährung zu decken. Gründe dafür sind zum Beispiel Appetitlosigkeit, metabolische Azidose, Anorexie, Geschmacksstörungen, Depressionen oder Begleiterkrankungen wie eine Herzinsuffizienz. Einmal in den Teufelskreislauf der Mangelernährung hineingeraten, ist es fast unmöglich, ohne Hilfe wieder herauszufinden. Daher ist die Mangelernährung unbedingt behandlungsbedürftig und sollte frühzeitig erkannt werden.

Ernährungszustand beobachten und Defizite erkennen

Regelmäßiges Wiegen, das Errechnen des BMI und die Beobachtung des Essverhaltens unter Berücksichtigung der Krankheitsgeschichte geben bereits klare Hinweise zum Ernährungszustand. Die Kontrolle bestimmter Laborparameter, wie beispielsweise Serumalbumin, kann die Diagnose Mangelernährung zusätzlich stützen. Bemerken Ärzte oder Fachkräfte einen unbeabsichtigten Gewichtsverlust oder Anzeichen zunehmender Kraftlosigkeit bei ihren niereninsuffizienten Patienten, sollten die Ursachen dafür dringend abgeklärt und unterstützende Maßnahmen eingeleitet werden. Die Notwendigkeit einer Ernährungsberatung sowie die Verordnung einer geeigneten Trinknahrung sollten in jedem Fall geprüft werden.

Nephrologische Ambulanz: der typische Nierenpatient mit Mangelernährung

Ein hohes Alter (> 75), das weibliche Geschlecht und ein niedriger BMI (< 25 kg/m²) sind unabhängige Risikofaktoren für die Entstehung einer Mangelernährung bei Nierenpatienten aus der nephrologischen Sprechstunde. Wer seine Patienten regelmäßig wiegt, kann den Gewichtsverlauf über mehrere Wochen oder Monate verfolgen. Bei einigen Patienten wird das Ernährungsproblem erst durch die Betrachtung der ungewünschten Gewichtsentwicklung über einen längeren Zeitraum deutlich.

Folgendes Fallbeispiel soll Ihnen eine typische Patientin mit Bedarf für eine Ernährungsintervention aufzeigen:

Fallbeispiel mangelernährter Nierenpatient

Warum ist eine Ernährungs­intervention so wichtig?

Bei Nierenpatienten korreliert ein schlechter Ernährungszustand mit erhöhter Morbidität und Mortalität. Die Mangelernährung wirkt sich zudem negativ auf die Nierenfunktion aus. Sie ist verbunden mit höheren Harnstoff-Werten und niedrigeren Bicarbonat-Werten. Abgesehen davon wirkt sich der Abbau von Körperprotein ungünstig auf alle inneren Organe, wie z. B. Herz und Lunge, und das Immunsystem, aus.

Der geschwächte Patient ist nicht nur aufgrund der vorhandenen Urämietoxine, sondern auch aufgrund der Mangelernährung viel anfälliger für Infekte. Durch den Abbau von Muskulatur wird der Patient zunehmend kraftlos. Dadurch sinkt seine Lebensqualität drastisch. Die Prognose von Patienten, die bereits mangelernährt an die Dialyse kommen, ist im Vergleich zu gut ernährten Patienten erheblich schlechter.

Kann ein Patient mit chronischer Niereninsuffizienz ohne Dialysepflicht seinen Nährstoffbedarf nicht mehr rein über handelsübliche Lebensmittel decken, so ist die Verordnung einer geeigneten Trinknahrung medizinisch notwendig und leitliniengerecht. Die Patienten in einen guten Ernährungszustand zurückzuführen hat diverse Vorteile für Patient und Praxis. Gut ernährte Patienten verursachen weniger Kosten, denn sie leiden weniger häufig an Komplikationen und sie leben länger.

Trinknahrung zur Unterstützung einer bedarfs­gerechten Ernährung bei Nierenpatienten mit Gewichtsverlust

Auch für Nierenpatienten ohne Dialysepflicht gibt es speziell angepasste und verordnungsfähige Produkte mit moderatem Eiweißanteil und niedrigem Kalium- und Phosphatgehalt.

restoric nephro prae Trinknahrung - zum Diätmanagement bei chronischer, nicht dialysepflichtiger Niereninsuffizienz
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Die Einnahme der Trinknahrung sollte langsam (einschleichend) mit ½-1 Portion pro Tag gestartet werden und je nach individueller Toleranz und nach dem Nährstoffbedarf auf 1-3 Portionen täglich erhöht werden. Wichtig ist, dass Trinknahrung, sofern möglich, zusätzlich zur normalen Ernährung und nicht als Ersatz für reguläre Mahlzeiten eingenommen wird. Dazu eignen sich die Zeiträume zwischen den Hauptmahlzeiten oder vor dem Zubettgehen gut. In Ausnahmefällen können sich Patienten ausschließlich von einer vollbilanzierten Trinknahrung ernähren, zum Beispiel, wenn nach einer Operation im Kopf-Hals-Bereich keine feste Nahrung aufgenommen werden kann.

Eine Auswahl verschiedener Sorten und eine variationsreiche Darreichungsform, zum Beispiel als Pulver, bieten den Patienten mehr Abwechslung und unterstützen somit die Bereitschaft zur kontinuierlichen Fortführung der Ernährungstherapie bis zum Therapieziel.

Parallel zur Verordnung einer Trinknahrung sollen individuelle Ursachen für die Entstehung der Mangelernährung geprüft und durch geeignete Maßnahmen beseitigt werden. Dazu gehören zum Beispiel eine fachgerechte Ernährungsberatung oder Maßnahmen zur Behebung bzw. Linderung von Kau- oder Schluckbeschwerden.

Hier erfahren Sie mehr zum Stufenmodell zur Therapie der Mangelernährung

Eine Trinknahrung kann so lange verordnet werden bis der Patient den gewünschten Ernährungszustand erreicht hat und diesen ohne die Einnahme der Zusatznahrung halten kann.

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