Dialysepatienten müssen ihre tägliche Trinkmenge einschränken, da die Nieren kaum noch oder gar kein Wasser mehr ausscheiden. Das ist äußerst schwierig, denn Durst ist ein quälendes Gefühl. Nimmt ein Dialysepatient zu viel Wasser auf, muss ihm während der Dialysebehandlung viel Wasser entzogen werden. Dies kann vorwiegend gegen Ende der Dialysebehandlung zu Blutdruckabfall, Kreislaufkollaps oder schmerzhaften Muskelkrämpfen führen.

Dass Dialyepatienten zu viel trinken, liegt hauptsächlich am gestörten Salz-Wasser-Haushalt. Die hormonelle Regulation der Nierenfunktion hält bei Gesunden das Volumen und den Salzgehalt der extrazellulären wie auch der intrazellulären Flüssigkeit in engen Grenzen. Bei Dialysepatienten sind jedoch hohe Schwankungen möglich, welche Durst verursachen. Zusätzlich können bestimmte Medikamente zu Mundtrockenheit und Durst führen. Auch über die Dialyse diffus zugeführtes Natrium kann starken Durst auslösen.

Zu überprüfende Hinweise bei übermäßigem Durst:

  • Hochnormale prädialytische Natriumwerte
  • Niedrige prädialytische Natriumwerte
  • zu kochsalzreiche Ernährung
  • zu hohe Flüssigkeitszufuhr

Gefahr von Energie­unterversorgung durch wasserarme Ernährung

Es stellt sich die Frage, ob sich Patienten wasserarm ernähren können, damit die Trinkmenge nicht so stark reduziert werden muss. Gleich vorweg: Es ist nur in geringem Maße möglich. Hingegen ist die Gefahr groß, dass Patienten Mahlzeiten auslassen, um Wasser einzusparen. Dazu kommt, dass Dialysepatienten einen deutlich höheren Energie- und Eiweißbedarf als gesunde Menschen haben und besonders auf eine ausreichende wie auch eiweißreiche Ernährung achten müssen. Erfahren Sie hier mehr zu den Folgen von Eiweißmangel bei einer Nierenerkrankung.

Die Folgen von Mangel- oder Unterernährung sind gravierend, sie führen zu vielen Komplikationen und häufig zu einem vorzeitigen Tod. Lebensmittel sollten daher nicht nur vor dem Hintergrund einer flüssigkeitsbewussten Ernährung ausgewählt werden, sondern den Patienten in erster Linie mit ausreichend Nähr- und Vitalstoffen versorgen.

Wassergehalt von Lebens­mitteln: die Konsistenz kann täuschen!

Jede Nahrungsaufnahme geht gleichzeitig mit der Zufuhr von Wasser einher. Denn wie der Mensch selbst, besteht auch die Nahrung zu einem Großteil aus Wasser. Allerdings unterscheiden sich die Lebensmittel mitunter erheblich in ihrem Wassergehalt. Diesen sieht man dem Lebensmittel jedoch nicht an! So kann ein festes Nahrungsmittel deutlich mehr Wasser enthalten als ein cremiges oder gar ein flüssiges Lebensmittel – die Konsistenz lässt folglich keinen Rückschluss auf den Wassergehalt zu.

Bei tierischen Lebensmitteln liegt der Wassergehalt zwischen 50 % und 78 % (je nach Fettanteil), bei pflanzlichen Lebensmitteln zwischen 20 % (Getreidekorn) und über 90 % (Gurke, Melone). Bei technologisch verarbeiteten Lebensmitteln wie Ölen, Fetten oder Zucker kann der Wassergehalt auch praktisch gegen null Prozent gehen.

Normale Mischkost liegt bei einem Wassergehalt von circa 70 %. Eine Ernährung, die alle notwendigen Nährstoffe, Mineralstoffe und Vitamine enthält und gleichzeitig noch weniger Wasser als eine normale Mischkost besitzt, lässt sich kaum anders als mit einer hochkalorischen, vollbilanzierten Trinknahrung erreichen.

Resorption von Nahrungswasser im Körper

In einem Lebensmittel kann das Wasser frei vorliegen oder auf komplexe Weisen gebunden sein. So kann eine Wasserbindung scheinbar fest in Kristallen, in tierischen wie auch pflanzlichen Zellen oder in Kapillaren vorliegen.

Die Zerlegung der Nahrungsbestandteile im Darm setzt dieses Wasser frei. Dadurch wird nahezu das gesamte zur Nahrung gehörende Wasser über den Darm ins Blut aufgenommen. Es macht folglich keinen Unterschied, ob ein Lebensmittel fest oder flüssig ist. Ausschlaggebend für die Flüssigkeitsaufnahme ist der Gesamtwassergehalt des Lebensmittels.

Flüssigkeitszufuhr durch Oxidationswasser

Weiterhin kommt noch das sogenannte Oxidationswasser hinzu. Es entsteht, wenn die Nährstoffe Protein, Fett und Kohlenhydrate nach der Verdauung und Aufnahme über den Darm in den Zellen zur Energiegewinnung oder zum Ab- oder Umbau verstoffwechselt werden. Über die Gewebsflüssigkeit und das Blut steht auch dieses Wasser dem ganzen Körper zur Verfügung. Bei einem erwachsenen Mann werden täglich etwa 250 bis 350 ml Oxidationswasser gebildet. Dieses Wasser lässt sich nicht einsparen, denn dies bedeutete, sich energiearm zu ernähren.

Hier finden Sie Tipps und Hinweise zur Lebensmittelauswahl für Dialysepatienten.

Müssen Trinknahrungen bei der Trinkmenge berücksichtigt werden?

Wichtig! Hochkalorische Trinknahrungen (ab 2,0 kcal/ml) sind energiedicht und enthalten daher relativ wenig Wasser. Sie sind deshalb als Nahrung und nicht als Getränk einzustufen. Das darin enthaltene Nahrungswasser muss nicht auf die Trinkmenge angerechnet werden. Die Trinknahrung sollte für Dialysepatienten bilanziert sein (wichtig sind viel Eiweiß, wenig Kalium, wenig Phosphat).

Beachten Sie: Ein mangelernährter Patient, der endlich wieder besser isst, nimmt unweigerlich über die Nahrung mehr Wasser auf. Dies ist ein gutes Zeichen. Die Dialysedosis muss in diesen Fällen entsprechend angepasst werden, gegebenenfalls muss das Trockengewicht erhöht werden.

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