Malnutrition in der Geriatrie

Zahlreiche Faktoren erschweren die Nahrungsaufnahme im Alter und erhöhen das Risiko für einen ungewollten Gewichtsverlust. Im Falle akuter und chronischer Krankheiten sind Ernährungsprobleme weit verbreitet. Insbesondere in Verbindung mit katabolen Krankheitseffekten entwickelt sich so schnell eine Mangelernährung.

Schätzungsweise sind bis zu drei Viertel der geriatrischen Patienten von Malnutrition betroffen. Die Folgen sind gravierend und verstärken sich gegenseitig. Der mit der Gewichtsabnahme einhergehende Verlust an Muskelmasse begünstigt die Entstehung von Sarkopenie und erhöhter Gebrechlichkeit (Frailty), wodurch es wiederum zu Behinderungen und Einbußen in der Selbstständigkeit der Betroffenen kommen kann.

Mangelernährte Patienten haben ein deutlich höheres Risiko zu versterben als gut genährte Menschen. Zudem nehmen Komplikationen mit dem Schweregrad der Mangelernährung zu. Das kann dazu führen, dass Therapien nicht richtig wirken, Wunden schlechter heilen oder die Patienten viel häufiger und schwerer an Infektionen erkranken.

Es kommt häufiger zu schweren Stürzen. Geriatrische Patienten mit Mangelernährung werden öfter ins Krankenhaus eingeliefert und haben dort längere Liegezeiten. Die Pflege- und Hilfsbedürftigkeit der Patienten nimmt zu. Unter der erhöhten Morbidität leidet nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen, sondern auch das Gesundheitssystem. Durch Mangelernährung entstehen beachtliche Zusatzkosten.

Mangelernährung im Alter erkennen

Eine Mangelernährung im Alter zu erkennen bedarf keiner Spezialkenntnisse oder –geräte. Eine normale Körperwaage reicht aus.

Gemäß der aktuellen S3-Leitlinie liegt eine Mangelernährung bei geriatrischen Patienten unter folgenden Voraussetzungen vor:

  • ungewollter Gewichtsverlust > 5% in 3 Monaten oder
  • ungewollter Gewichtsverlust > 10% in 6 Monaten oder
  • deutlich reduzierte Körpermasse (BMI < 20)

Ein ungewollter Gewichtsverlust von 5% in 3 Monaten bedeutet 2,5 kg Abnahme bei einer ursprünglich 50 kg schweren Frau. Nicht viel, würde man zunächst vermuten. In der Regel gehen dabei aber wichtige Körpereiweiße verloren. Sie sind die Bausteine für Muskulatur und Immunsystem, daher kann jeder Verlust eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes, der Immunkompetenz und schließlich der Prognose bewirken.

Ärzte, Ernährungsfachkräfte oder Pflegepersonal können alternativ ein Screening auf Mangelernährung durchführen. Von den Fachgesellschaften werden einige validierte Fragebögen empfohlen, welche in kurzer Zeit und ohne Spezialkenntnisse ausgefüllt werden können. Dazu gehören zum Beispiel das Mini Nutritional Assessment (MNA), das Malnutrition Universal Screening Tool (MUST) oder das Subjective Global Assessment (SGA).

Nutzen Sie ein solches Screening, wenn Sie nicht sicher sind, ob ein Patient mangelernährt ist.

Mangelernährung im Alter behandeln

Am besten ist es natürlich, der Entstehung einer Mangelernährung vorzubeugen, indem auch im Alter ausreichend, regelmäßig und ausgewogen gegessen wird. Jedoch bedingen Einflussfaktoren wie Appetitlosigkeit, Bewegungsarmut, Medikamenteneinnahme, körperliche Veränderungen oder psychische Probleme die Entstehung und Progression einer Mangelernährung im Alter. Auch Altersarmut kann dazu führen, dass Menschen finanziell nicht in der Lage sind, sich bedarfsdeckend und gesund zu ernähren. Haben Senioren erst einmal ungewollt an Gewicht verloren, dann sollte schnellstmöglich gegengesteuert werden, um eine weitere Verschlechterung des Ernährungszustandes zu verhindern. Erhöhte Morbidität und Mortalität wären die Konsequenz.

Bei bereits bestehender Mangelernährung empfiehlt die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) zu „Klinische Ernährung in der Geriatrie“  zunächst individuelle Ursachen, die das Essverhalten beeinflussen, zu prüfen und zu behandeln. Dazu zählen zum Beispiel die Anpassung einer schlecht sitzenden Zahnprothese, die Behandlung von Schluckstörungen oder auch die Therapie von Depressionen.

Gleichzeitig soll den betroffenen Patienten eine qualifizierte Ernährungsberatung inklusive einer Anreicherung der Kost mit energie- und eiweißreichen Lebensmitteln oder Zusätzen angeboten werden. Ebenfalls soll die Verordnung einer Trinknahrung erfolgen, wenn die Patienten es nicht schaffen, das Nährstoffdefizit über natürliche Lebensmittel auszugleichen.

Erfahren Sie hier mehr zur S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Geriatrie“

Trinknahrung ist bei Mangel­ernährung verordnungsfähig

Vollbilanzierte Trinknahrungen haben den Vorteil, dass sie in einer kleinen Trinkportion viel Energie und Eiweiß enthalten. Alle lebensnotwendigen Nährstoffe liegen im richtigen Verhältnis vor. Appetitlosen Patienten wird somit das Auffüllen ihrer Bedarfslücken erleichtert.

Die Trinknahrung soll die normale Ernährung nicht ersetzen, sondern soll im besten Fall zwischen den Hauptmahlzeiten oder vor dem Zubettgehen zusätzlich eingenommen werden. Sobald die Patienten es schaffen, ihren Bedarf wieder ausschließlich über handelsübliche Nahrungsmittel zu decken, kann die Trinknahrung langsam abgesetzt werden.

Bei der Wahl einer geeigneten Zusatznahrung sollten folgende Charakteristika berücksichtigt werden:

  • Energie- und Eiweißgehalt: hochkalorische Trinknahrungen mit mindestens 2 kcal pro ml sorgen für eine hohe Energiezufuhr mit kleinem Trinkvolumen. Das Gleiche gilt für Eiweiß: ein hoher Gehalt deckt Eiweißlücken mit weniger Volumen ab
  • Vollbilanzierung: die Voraussetzung zur Verordnungsfähig ist, dass alle lebensnotwendigen Nährstoffe enthalten sind, und zwar so, dass eine ausschließliche Ernährung über die Trinknahrung theoretisch möglich wäre
  • Angenehmer Geschmack: damit die Patienten am Ball bleiben und die Trinknahrung kontinuierlich zu sich nehmen, so lange wie nötig
  • Verschiedene Sorten: sorgen für Abwechslung und nicht alle Patienten mögen die gleichen Sorten gerne
  • Darreichungsform: Trinknahrungen gibt es als anwendungsfertige Flaschen oder als Pulver. Ein Pulver kann sowohl zu einer Trinknahrung angeschüttelt als auch in Speisen eingerührt werden, das sorgt für mehr Abwechslung und steigert die Compliance
  • Verträglichkeit: je weniger unnötige Zusatzstoffe oder möglicherweise reizauslösende Mehrfachzucker (FODMAPs) enthalten sind, desto besser wird die Trinknahrung in der Regel vertragen
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