Sarkopenie – Muskelschwund im Alter

Die Muskulatur nimmt mit dem Alter ab, das ist ganz normal. Gehen jedoch mehr Muskeln und Kraft verloren als üblich, dann wird im Fachjargon von „Sarkopenie“ (aus dem Griechischen: sarx = Fleisch, penia = Mangel) gesprochen.

Schätzungsweise ist etwa jeder Zehnte aller 60-70 Jährigen von Sarkopenie betroffen, bei den über 80 Jährigen geht man sogar von bis zu 50 % aus.  Wenn das Aufstehen oder Gehen zunehmend schwer fällt, dann sollten Ärzte aufhorchen und die Sarkopenie als krankhafte Veränderung wahrnehmen, die gravierende Folgen für die Patienten haben kann. Noch zu häufig wird die Sarkopenie als normale Alterserscheinung hingenommen. Dabei kann ein frühzeitiges Eingreifen den Muskelschwund verlangsamen.

Weniger Kraft und Lebensqualität durch Sarkopenie

Wenn verstärkt Muskulatur im Körper abgebaut wird, dann wirkt sich dies auf die Mobilität und die Lebensqualität aus. Patienten mit Sarkopenie haben infolge der zunehmenden Kraftlosigkeit und Gebrechlichkeit ein erhöhtes Risiko für schwere Stürze und Frakturen. Den Alltag selbstständig zu meistern, wird immer schwieriger, daher sind Menschen mit Sarkopenie verstärkt auf die Hilfe und Pflege von Außenstehenden angewiesen.

Wenn die Patienten es nicht mehr schaffen, sich ausreichend selbst zu versorgen, ist das Risiko groß, in eine Mangelernährung oder Kachexie zu geraten. Diese wiederum begünstigen die Sarkopenie. Mangelnde Bewegung verstärkt den Muskelschwund zusätzlich. Ein Teufelskreis, aus dem die meisten Patienten nicht aus eigener Kraft entkommen können. Letztendlich führt die Sarkopenie zu einem erhöhten Mortalitätsrisiko.

Sarkopenie erkennen

Zur Diagnose einer Sarkopenie soll neben dem Verlust von Muskelmasse auch eine reduzierte Kraft und/oder Leistungsfähigkeit nachweisbar sein. Im Bereich der Forschung hat sich die Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA/DEXA) zur Erfassung der Muskelmasse durchgesetzt.

Da dieses Verfahren sehr teuer und im Praxisalltag nicht verfügbar ist, kann die Messung der Muskelmasse alternativ mit der Bioimpedanz Analyse (BIA) durchgeführt werden. Hierzu genügt ein kleines tragbares Gerät, das über anklebbare Elektroden den elektrischen Widerstand verschiedener Körpergewebe misst und daraus Muskel- und Fettmasse ermittelt.

Der Rückgang von Kraft und Leistungsfähigkeit lässt sich anhand 2 einfacher Tests feststellen:

  • Die Messung der Handkraft per Dynamometer entwickelt sich mehr und mehr zum Standardassessment in der Geriatrie. Die Handgriffsstärke erlaubt Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand und das Mortalitätsrisiko. Die Messwerte werden mit einer Referenztabelle verglichen. Werte unterhalb der Norm gelten als Hinweis auf eine Sarkopenie.
  • Messen der Gehgeschwindigkeit und/oder Aufstehtest. Verlangsamt sich die Gehgeschwindigkeit eines Patienten auf unter 0,8 Meter pro Sekunde oder benötigt ein Patient länger als 11 Sekunden, um von einem Stuhl ohne Armlehne fünfmal hintereinander aufzustehen, dann gilt dies ebenfalls als Diagnosekriterium für eine Sarkopenie.

Bewegung und Ernährung erhalten die Kraft

Eine Kombination aus Bewegungs- und Ernährungstherapie soll zur Vorbeugung und Behandlung der Sarkopenie im Vordergrund stehen. Auch im Alter ist es nicht zu spät für Bewegung und Sport. Ein angepasstes Krafttraining unter kompetenter Anleitung kann dem Muskelschwund entgegenwirken. Auch Alltagsbewegungen wie Treppensteigen oder ein Spaziergang an der frischen Luft können dazu beitragen bei Kräften zu bleiben.

Damit genügend Substrat zur Erhaltung und zum Neuaufbau von Muskulatur vorhanden ist, sollten Senioren auf eine ausreichende Versorgung mit Eiweiß achten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat im Jahr 2018 die Empfehlungen für eine adäquate Eiweißzufuhr bei Menschen über 65 Jahren auf 1 g Protein pro kg Körpergewicht pro Tag erhöht. Vielen Senioren Jahren fällt eine bedarfsdeckende und vollwertige Ernährung jedoch schwer.

Manchmal liegt es nur an Unwissenheit oder Unsicherheiten bezüglich gesunder Ernährung. Eine qualifizierte Ernährungsberatung unterstützt die Patienten bei der Auswahl und Zusammenstellung eines vollwertigen Speiseplans.

Hier erfahren Sie mehr zum Thema ausgewogene und bedarfsdeckende Ernährung für Menschen ab 65 Jahren.

Wenn jedoch chronische Erkrankungen, akute Infektionen, Einsamkeit, Depressionen oder finanzielle Sorgen zusätzlich auf den Appetit drücken, dann schaffen es manche Patienten nicht, ihren Bedarf über normale Lebensmittel zu decken. Sie verlieren immer mehr an Kraft und sind irgendwann nicht mehr in der Lage, Speisen selbstständig einzukaufen oder zuzubereiten.

Kommt es infolgedessen zu einem ungewollten Gewichtsverlust, sollte dringend eine eiweißreiche hochkalorische Trinknahrung verordnet werden. So können Energie- und Eiweißlücken geschlossen werden und das trägt zur Erhaltung von Kraft, Immunabwehr und Lebensqualität bei. Sobald der tägliche Nährstoffbedarf wieder ausschließlich über handelsübliche Lebensmittel gedeckt werden kann, kann die Trinknahrung langsam abgesetzt werden.

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