Ernährung bei Krebs

Die geeignete Ernährung bei Krebs unterscheidet sich, mit Ausnahme der Eiweißzufuhr, nicht wesentlich von den Empfehlungen für die Allgemeinbevölkerung. Gesund und ausgewogen sollte sie sein mit einem hohen Anteil an Obst und Gemüse. Es gibt zwar keine „verbotenen“ Lebensmittel, jedoch sollte auf die Auswahl frischer Produkte beim Einkauf geachtet werden. Und gut schmecken sollte es natürlich auch.

Bei einer Krebserkrankung ist es immens wichtig, die Nahrungszufuhr nicht einzuschränken, denn der Körper braucht gerade jetzt ausreichend Eiweiß, Energie und Nährstoffe.

Jetzt ist nicht die Zeit für Ernährungs­umstellungen

Viel beworben sind sogenannte „Krebsdiäten“, die beispielsweise zum Ziel haben, den Krebs auszuhungern. Versprechungen in diese Richtung konnten bisher durch keine wissenschaftliche Studie belegt werden. Die Wirksamkeit solcher Diäten ist nicht bewiesen, ganz im Gegenteil: häufig sind diese Diäten einseitig und schwer im Alltag umzusetzen und führen daher meistens zu einem Gewichtsverlust. Ein Verlust von Körpersubstanz schwächt krebskranke Menschen zusätzlich und verschlechtert die Prognose. Die Tumortherapie wird dann meistens schlechter verkraftet. Daher sollte die Ernährung nicht drastisch umgestellt werden.

Lebensmittel­auswahl bei Krebs: eiweißreich, vitalstoffreich und ausgewogen

Eine ausgewogene Ernährung mit einem erhöhten Eiweißanteil ist für Krebspatienten sinnvoll. Der Tumor bewirkt eine Umstellung im Stoffwechsel, sodass verstärkt Körpereiweiß abgebaut wird. Für den Erhalt der Immunabwehr und der Muskulatur ist Eiweiß jedoch essentiell. Daher sollten Krebspatienten verstärkt eiweißreiche Lebensmittel wie Fisch, Milchprodukte, Eier, Hülsenfrüchte oder Nüsse verzehren. Fleisch sollte etwa 2-3x pro Woche auf dem Speiseplan stehen.

Auch kohlenhydrat- und fettreiche Lebensmittel gehören zu einer vollwertigen Ernährung. Sie versorgen den Körper mit Energie. So eignen sich zum Beispiel Brot aus Misch- oder Vollkorn, Kartoffeln oder Haferflocken als gute Energieträger. Produkte mit Vollkornanteil sind wegen der enthaltenen Ballaststoffe von Vorteil. Pflanzliche Öle, Seefische und Nüsse wie Mandeln oder Walnüsse liefern dem Körper hochwertige Fettsäuren.

Viel Obst und Gemüse

Ein hoher Anteil an Obst und Gemüse trägt zur Versorgung mit Vitalstoffen (Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe) und Ballastoffen bei.

Damit Stoffwechsel und Immunabwehr funktionieren können, sind Vitalstoffe unerlässlich. Zudem haben sie weitere vielfältige Aufgaben, zum Beispiel bei der Blutbildung oder bei der Reizweiterleitung in den Nerven und der Muskulatur.

Ballaststoffe unterstützen eine gesunde Verdauung. So können sie zum Beispiel Verstopfungen lindern oder bei der Regulation von Blutzucker und Blutfettwerten helfen.

Zusätzliche Vitaminpräparate benötigen nur Patienten mit einem nachgewiesenen Mangel, daher sollte die Einnahme solcher Präparate immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen. Die unkontrollierte Einnahme von frei verkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln aus Drogerie, Apotheke oder Supermarkt kann im schlimmsten Fall sogar schädlich sein.

Im Falle einer Mangelernährung, zum Beispiel durch ungewollten Gewichtsverlust, können sich Patienten eine vollbilanzierte Trinknahrung von ihrem Arzt verschreiben lassen. Die Kosten trägt dann die Krankenkasse.

Portionen über den Tag verteilen

Zu große Portionen sind nicht sinnvoll, wenn der Appetit gering ist. Statt 3 großen Mahlzeiten kann die Nahrungszufuhr auch auf mehrere kleine Portionen am Tag aufgeteilt werden. Schaffen Sie beim Essen eine angenehme Atmosphäre und richten Sie Ihre Speisen appetitlich an. Das Auge isst bekanntlich mit. Zur Vermeidung starker Essensgerüche sollten die Wohnräume regelmäßig gelüftet werden. Tragen Sie am besten Kleidung, die Ihnen nicht auf den Bauch drückt.

Ausreichend trinken

Ausreichend trinken, das heißt ca. 1,5 l am Tag, ist ebenfalls wichtig. Wasser, Tees oder Saftschorlen eignen sich gut, um den Körper mit Flüssigkeit zu versorgen. Flüssigkeitsmangel begünstigt Verstopfungen und das  vermindert das Hungergefühl.

Auch Bewegung ist wichtig

Neben einer gesunden Ernährung sollten sich Menschen mit Krebserkrankung regelmäßig bewegen. Diese Empfehlung unterscheidet sich ebenfalls nicht von denen für Gesunde. Eine tägliche Runde an der frischen Luft tut gut und fördert den Erhalt der Muskulatur. Je nach körperlicher Verfassung können verschiedenste Sportarten angefangen oder fortgeführt werden. Ihr behandelnder Arzt wird Ihnen sagen können, welche Art der Bewegung für Sie am besten ist.

Beschwerden und Nebenwirkungen während der Therapie hemmen den Appetit

Während der Therapie können Nebenwirkungen wie Schluckbeschwerden oder Übelkeit das Essen erschweren. Manchmal führen auch entzündete Schleimhäute in Mund, Speiseröhre und im Magen-Darm-Bereich zu Schmerzen beim Essen. Viele Krebspatienten leiden unter Appetitlosigkeit und Geschmacksstörungen. Diese Nebenwirkungen führen sehr häufig zu einem unbeabsichtigten Gewichtsverlust. Die Gefahr einer Gewichtsabnahme während einer Krebserkrankung wird häufig unterschätzt: etwa jeder 4. Krebskranke verstirbt nicht etwa am Tumor, sondern an der Mangelernährung. Gerade in dieser sensiblen Zeit braucht der Körper die Nährstoffe so dringend, um gesunde Zellen zu erhalten oder neue Zellen aufzubauen.

Kann der Bedarf an Nährstoffen durch die normale Ernährung nicht gedeckt werden, so ist die zusätzliche Einnahme einer vollbilanzierten Trinknahrung unbedingt notwendig. Zudem sollten sich Patienten Rat bei einer qualifizierten Ernährungsberatung einholen, welche in der Regel von der Krankenkasse bezahlt wird.

Manche Krankenkassen verlangen lediglich von den Patienten, dass sie einen kleinen Eigenanteil zur Ernährungsberatung beisteuern. Um Auskunft über anerkannte Ernährungsberater im eigenen Umkreis zu erhalten, sollten Patienten sich direkt an ihre Krankenkasse wenden. Der behandelnde Arzt kann Patienten eine Bescheinigung über die medizinische Notwendigkeit einer ernährungstherapeutischen Beratung gemäß § 43 SGB V ausstellen. Diese Bescheinigung ist für Arzt und Patient kostenfrei.

Trinknahrung zur Unterstützung der Ernährung

Mit einer geeigneten Trinknahrung, auch als „Astronautennahrung“ bekannt, können Lücken in der Ernährung geschlossen werden. Ist eine Trinknahrung „vollbilanziert“, enthält sie alle lebensnotwendigen Nährstoffe, also auch alle Vitamine und Mineralstoffe, die der Körper braucht. Trinknahrung sollte, wenn möglich, zusätzlich zur normalen Ernährung eingenommen werden, zum Beispiel als Zwischenmahlzeit oder etwa 1-2 Stunden vor dem Schlafengehen. Verordnungsfähige Trinknahrungen (= bilanzierte Diäten) zählen im Rahmen des Diätmanagements als unterstützende Maßnahme zum Bereich der Supportivtherapien.

Onkologen, Strahlentherapeuten oder Hausärzte können ihren Patienten Trinknahrung verschreiben, wenn eine (drohende) Mangelernährung diagnostiziert wurde. Erkennbar macht sich diese meistens durch einen Gewichtsverlust von über 10% in den letzten 6 Monaten. Viele Patienten haben bereits bei der Diagnosestellung Krebs so viel an Gewicht verloren, dass sie häufig einen gesetzlichen Anspruch auf die Einleitung einer unterstützenden Ernährungstherapie haben, wenn eine bedarfsdeckende Ernährung mit gewöhnlichen Lebensmitteln nicht mehr möglich ist.

Die Kosten für die Trinknahrung werden dann von der Krankenkasse erstattet. Gemeinsam mit dem behandelnden Arzt oder einer qualifizierten Ernährungsberatung sollte diese Möglichkeit besprochen werden. Natürlich ist Trinknahrung in der Apotheke auch ohne Rezept erhältlich. In diesem Fall tragen Patienten die Kosten jedoch selbst. Auch dann sollte die Einnahme immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Konkrete Ernährungs­empfehlungen und viele Tipps (z.B. welche Lebensmittel bei Appetitverlust, Schluckbeschwerden, Durchfall, usw. helfen können und welche eher ungünstig sind), finden Sie in unserem Ernährungsratgeber „In 3 Schritten zur richtigen Ernährung bei Krebs­erkrankungen“.
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